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Ein Artikel von Mag. Claudia Dieckmann

Hass endet niemals durch Hass sondern durch Liebe; das ist eine ewige Wahrheit.”
-Dhammapada 1.5                                                                                                       

 “Überwinde Zorn durch Liebe, überwinde das Böse durch das Gute.”
– Dhammapada 17.3

 

Gewalt wird zu Gewohnheit.

Der Mitmensch merkt sich die Abläufe und Zusammenhänge der einzelnen Gewalttaten gar nicht mehr. Die Täter, entweder selbst gemordet, oder ermordet worden, werden als Allererstes auf die Verbindung mit „IS“ geprüft. Fast hört man so etwas wie ein wenig Enttäuschung mitschwingen bei den Berichten über die Einzeltäterschaft z.B. des jungen Deutschen, der – auffallend –  in allen Berichten als Deutsch – Iraner bezeichnet wird. Bei der Bevölkerung allerdings bewirkt die gleiche Nachricht unbegründete Erleichterung. Es wirkt und scheint so, als würde man einen Einzeltäter, der um sich schießt und unschuldige Menschen ermordet, für weniger gefährlich halten als alles, was mit den IS Schrecklichkeiten in Verbindung steht. Den Menschen, die unschuldige Angehörige oder Freunde begraben müssen, hilft das alles gar nichts. Den Eltern der erschossenen Täter hilft das auch nichts. Das erste ist die Verhaftung derselben, noch lange bevor sich die Politik als leer betroffen zeigt. Was bleibt, ist das ungute Gefühl der Verletzlichkeit und der Sterblichkeit, ohne zu wissen, woauf man genau aufpassen oder wie man sich und seine Lieben schützen kann/soll. Es bleibt ein Geschmack von Schock, aber auch zunehmender Abhärtung. Die nächsten Berichte über Gräueltaten folgen ja täglich.

Sowohl IS Kämpfer als auch Amokläufer zeigen verwandte Äußerlichkeiten.

  • jung,
  • männlich,
  • in unserer westlichen Gesellschaft als „Ausländer“ lebend,
  • teilweise bereits in den Gastländern geboren,
  • keineswegs nur muslimischen Glaubens,
  • zuletzt ein Flüchtling, dem der Status und die Aufenthaltsgenehmigung nicht gewährt wurde. Er wurde als U-Boot geduldet, heißt es, und man ist entsetzt über die Undankbarkeit, die das U-Boot der ihn „duldenden“ Gesellschaft erwies.

Ich frage mich: Wie kann ein 18-jähriger Deutscher in Deutschland an Mordwaffen kommen und als Toter mit 300 Schuss Munition aufgefunden werden, ohne dass das jemandem auffällt?

Wie kann ein 18-jähriger an den Ort eines Amoklaufes fahren, ohne dass das jemandem auffällt?

Wie kann ein 18-jähriger Gewaltliteratur lesen, ohne dass das jemandem auffällt, und wie kann sein Verhalten dennoch unauffällig und freundlich ist, wie die interviewten Nachbarn sagen?

Wie kann eine Gesellschaft Dankbarkeit und Wohlverhalten von einem jungen Flüchtling erwarten, der “geduldet wird“ und als solcher nie ein „normales“ Leben beginnen kann, nach dem er sich am allermeisten gesehnt hat? Was geht in einem jungen Mann vor, der in der Hoffnung auf ein besseres Leben und unter akuter Lebensgefahr in den Westen geflohen ist und dann so leben muss?

Bleibt die Frage:
Wer befasst sich mit dem WARUM?
Wer fragt, warum
Gewalt allerorten eskaliert?
Was sagen diese Anschläge über den Zustand unserer Gesellschaft?

Gewalt ist ein Symptom.  Und hier wird auf das Symptom und nicht die Ursache geschaut. Ich halte die Entgleisung von Persönlichkeiten nicht für einen Zufall und ich glaube weder, dass gewisse Ethnien schlecht und wir gut oder Opfer sind, noch glaube ich, dass Gewalt und die Gewaltbereitschaft mit der Wahl der Religion in Verbindung steht. Die Geschichte beweist, wie blutrünstig sich die Christen benommen haben, und noch immer gibt es keinen Krieg dieser Welt, der nicht im Namen Gottes begonnen und auf Kosten derer, die dort leben, und jener, die dafür sterben, geführt wird.
Ich nehme aber wahr, dass Menschen häufig derart weit weg sind von ihrem Fühlen und dem Wissen um Gut und Böse, dass sie eiskalt schießen oder betrügen oder morden, selbst ohne dabei den eigenen Selbsterhalt zu berücksichtigen. Ihr Verstand hat nichts anderes geübt. Was erwarten wir?

Alles, was geschieht, hat eine Ursache und alles, was geschieht, ist eine Wirkung auf eine bestimmte Ursache. Wer glaubt noch an Zufälle?

Wir müssen realisieren:
Gesellschaftliches Leben ist die Summe des Lebens von Einzelpersonen in einem bestimmten Raum – Beziehungsfeld. Wie Krankheiten nicht über Nacht oder durch Zufall entstehen, so ist das mit den Auswirkungen unseres Innen auf das Außen der Gesellschaft.
Wir befinden uns in einer auseinanderfallenden, sehr kranken Gesellschaft und das nehmen leider scheinbar nur wenige Wissende wahr. Gewalttaten sind die Ergebnisse dieser schweren Krankheit.
Wenn die kleinste Zelle der Gesellschaft, die Familie, auseinanderfällt, folgt über kurz oder lang das Große Ganze. Alles, was im Innen stattfindet, spiegelt sich nach den hermetischen Gesetzen im Außen wider. Alles, was im Kleinen stattfindet, spiegelt sich im Großen wider.
Die Krankheitsursachen sind vielfältig:

  • sie beginnen bei der Einsamkeit von Kindern
  • gehen weiter bei Babies, die zwecks „Frühförderung“ noch vor dem ersten Lebensjahr von der Mutter an fremde Menschen übergeben werden
  • Mangel an sozialen und spirituellen Kontakten von Jugendlichen
  • Fehlen von Vorbildern, Zusammenhalt und Charakterbildung in Nicht Familien
  • Tägliche Gewalt in TV und in den elektronischen Pseudowelten
  • Gewalt zu Hause
  • Sprachlose, überforderte Eltern
  • Fremder Kulturkreis
  • Ausgeschlossensein und
  • tausende kleine und große weitere Ursachen.

Diese Ursachen haben Wirkungen. Alles ist multikausal.

Auch Amokläufe und die Morde der IS.

Was kann getan werden?
Wir müssen uns mit unserer Sterblichkeit realistisch befassen. Noch immer sterben viel mehr Menschen täglich auf den Straßen und keiner erwähnt zumeist ein Wort, als Menschen durch Terror oder Amok sterben. Wir müssen erkennen: wir werden weder die potentiellen Amokläufer stoppen noch den IS Kämpfer, der um die Ecke wohnt.

Manche Menschen werden durch den Schock der Gewalttaten an bewusstem Sein und Dankbarkeit für Leben und Frieden wachsen und werden das auch im Außen ausdrücken und an ihre Kinder weitergeben. Andere werden weiter in ihrer Bewusstlosigkeit und Hassbereitschaft wachsen und damit auch an Gewaltbereitschaft und das Licht und das Dunkel in unserer Gesellschaft wird das Wachstum jeweils unterstützen.
Gewalt wird solange eskalieren, bis Menschen wieder Menschlichkeit erleben und bis die Spirale des Todes durchbrochen wird.

Das Innen der Täter:
Täter sind zumeist selbst Opfer. Gewalt wird erlernt. Sie wird zu einem der Muster, wie Menschen auf das Angebot des Lebens reagieren.

Unbestreitbares Faktum ist: Nur Gewaltlosigkeit kann Gewalt heilen.
Nur Religionen, die Menschen zu besseren Menschen machen, haben das Recht, sich so zu bezeichnen. Eine Religion, die nicht zur „religio“ wird, zur Rückverbindung mit der Einheit mit Gott und der Einheit mit Bruder und Schwester Mensch,Tier und Umwelt, sollte sich nicht als solche bezeichnen.

Faktum ist: Täter sind Menschen wie deren Opfer.

Wir brauchen dringendst Menschlichkeit und wir brauchen das, was wir am wenigsten haben und zwar über mindestens 2 Generationen, denn solange hat es gedauert, bis die Menschen derart entleert waren wie sie es heute sind. Wir brauchen Bewusstsein und Spiritualität, Disziplin, das Gute zu tun und Böses zu unterlassen, und wir brauchen dringend an allen Hebeln der Menschheit Mitgefühl, das uns vorgelebt wird, an dem wir uns anhalten können, dem wir getrost folgen können.

Wir müssen im Innen beginnen. Dringend. In uns und in unseren intimsten Zweierbeziehungen. Es ist wie bei einer Krankheit; weder die IS entstand über Nacht noch die Trittbrettwahnsinnigen, die jetzt aktiv werden. Wenn wir nicht wollen, dass unsere Gesellschaft auseinanderfällt, sollten wir beginnen, an uns zu arbeiten, wir wollten unsere Egotrips beenden und versuchen, den anderen als Lebewesen wahrzunehmen, dem Leid geschehen kann.

Das Gesetz des Karmas ist am Werk. Es liegt an uns, die Qualität zu ändern. Dabei auf die Polizei oder die Politik zu warten, ist der ganz falsche Ansatz.