Ausbildung ist Ego-Konfrontation

Warum jede ernsthafte Ausbildung eine Ego-Konfrontation ist

ein Artikel von Mag. Claudia Dieckmann

Jede ernsthafte Ausbildung führt früher oder später an denselben Punkt:
Nicht an eine Wissensgrenze.
Nicht an eine körperliche Grenze.
Sondern an das Ego.

Bis dorthin geht vieles leicht.
Man lernt Techniken, versteht Zusammenhänge, bekommt Bestätigung.
Man darf sich kompetent fühlen.
Dann kippt es.

Plötzlich fordert die Ausbildung nicht mehr Können, sondern Charakter.
Nicht mehr Wissen, sondern Wahrhaftigkeit.
Nicht mehr Motivation, sondern Demut.
Und genau hier entscheidet sich alles.

Das Ego meldet sich.
Es will Recht behalten, will bewundert werden.
Es will keineswegs korrigiert werden, nicht klein sein.
Es will nicht dienen und es will führen, ohne sich führen zu lassen.

Ab diesem Punkt gibt es nur zwei Wege.

Der erste Weg ist der häufigste.
Man steigt innerlich aus, beginnt zu relativieren.
Man kritisiert den Lehrer, sucht Fehler im System.
Man erklärt sich selbst zum Sonderfall.
Das sei Freiheit, Selbstbestimmung oder Reife.

In Wahrheit gehorcht man dem Ego.

Und lernt nichts mehr.

Der zweite Weg ist stiller.
Unbequemer und radikaler.
Man erkennt das Ego; nicht theoretisch wie bisher, sondern schmerzhaft konkret.
Man sieht die eigene Kränkung, den eigenen Widerstand.
Die eigene Angst, nicht mehr wichtig zu sein, und die eigene Sehnsucht nach Anerkennung.

Und man bleibt.
Nicht weil es angenehm ist, sondern weil man verstanden hat, worum es geht.

Ausbildung ist Ego-Konfrontation, und zwar nicht als Methode.
Sondern als Folge von Wahrheit.
Wo Wahrheit ist, verliert das Ego seine Macht.
Wo Führung ist, muss sich das Ego unterordnen.
Wo Lernen geschieht, stirbt Selbsttäuschung.

Darum braucht jeder ernsthaft Lernende eines: einen Lehrer, der sich dem aussetzt und es auch aushält. Oder zumindest echte Vorbilder.
Nicht perfekte Menschen, sondern Menschen, die weiter sind.
Klarer, verantwortlicher und unbequemer für das eigene Ego.

Ich empfehle das genaue Studium meiner Bücher und des Lebens von Jana Thann und Claudia Dieckmann.
Wir haben einen Guru und wir haben Vorbilder. Wer keinen Lehrer akzeptiert, lernt nicht.

Wer keine Korrektur erträgt, wächst nicht.
Wer sein Ego nicht erkennt, wird von ihm geführt.
Und wer Ausbildung ohne Ego-Verlust will, will keine Ausbildung, sondern Bestätigung.

Der Weg der Meisterschaft beginnt dort, wo das Ego nicht mehr entscheidet.

Und genau deshalb ist er so selten gegangen.